Leseprobe 2: Man sieht sich immer zweimal im Leben

Waren Sie 1966 auch dabei? Geoff Hurst schießt in der 101. Minute in Wembley auf das deutsche Tor. Der englische Ball springt von der Unterkante der eckigen Latte auf die schmal gehaltene Torlinie und Weber köpft den drallenden Ball über das deutsche Tor. Also kein Tor!
Für uns war das damals klar. Mein Vater sagte sofort: „Kein Tor!“ Schließlich galt der alte Satz von Herberger immer noch: Elfmeter ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Tor ist, wenn der Ball im Netz liegt. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
Uwe Seeler hat das auch geglaubt. Schließlich ist England das Mutterland des fairen Fußballs. Auch wenn es damals noch nicht so richtig zu Europa gehörte.
Die Engländer aßen Sachen, mit denen man bei uns Ratten vergiftet hat. Später haben die Grünen bei uns dafür gesorgt, dass das Zeug nicht mehr hergestellt werden durfte. Und sie trinken warmes Bier in kurzen Hosen mit sonnenverbrannten Beinen!
Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Engländer trinken mit Vorliebe warmes Bier. Gut, mein Opa trank damals auch „gestauchtes Bier“. Dazu ließ er sich das gezapfte Bier kurz in ein Gefäß mit heißem Wasser tauchen. Aber er hat das gemacht, weil er sich im Ersten Weltkrieg in Frankreich mit billigem Rotwein den Magen verdorben hatte und in der hungrigen Nachkriegszeit mit selbst gebranntem Schnaps die Speiseröhre verätzt hat.
Die Engländer trinken warmes Bier, weil es ihnen schmeckt. So viel zum kulturellen Stand dieser weltfremden Insel und seinen schwer verständlichen Bewohnern.
Wobei sie auch einige Dinge haben, die Bewunderung verlangen. Sie haben eine Königin, die lebend verwest, und einen Prinzen, der Schönheit gegen guten Sex eingetauscht hat. Er hat gewusst, Schönheit vergeht, an guten Sex erinnert man sich immer gern.
Prinz Charles, bei uns am Stammtisch liebevoll „Ohrlappenkarl“ genannt, hat allerdings mit Fußball nichts am Hut. Dafür geht ihm der Hut hoch, wenn sein deutschstämmiger Vater wieder im Ausland ins Fettnäpfchen tritt. Das ist typisch deutsch und lebt bis heute auch in unserer Regierung fort. Unsere Regierung lässt sich nur mit dem typisch „Englischen Humor“ ertragen. Man spricht auch von „Schwarzem Humor“, seit die CDU wieder den Kanzler stellt.
Der Schiedsrichter gab „Tor“! Ein Schweizer Schiedsrichter, der schon vor seiner Geburt eigentlich zu Neutralität verpflichtet ist, erklärte dem geteilten Deutschland einseitig den Krieg. Und das elf Jahre nach Ende der Schwarzgeldflucht des deutschen Großkapitals während des Zweiten Weltkriegs. Reichte es der Schweiz nicht, unser Schwarzgeld zu horten und dubiose Kassen für umgeleitete politische Spenden anzulegen? Musste sie auch noch unseren Nationalstolz vernichten?
Gottfried Dienst hieß der Schiedsrichter. Er hat sich ewig in die Annalen des Deutschen Fußballbundes eingebrannt. Der Linienrichter hieß Tofiq Barahmov. Er sah aus wie der Bruder von Albert Schweizer und sprach nur Russisch und Aserbaidschanisch. Gottfried sprach nur Schwyzerdütsch.
„Häsch du gsi, dass dr Balle im Tor gsi isch?“
„Da, da. Gazprom!“
„Was meinesch? Verstandesch kei Dütsch?“
„Da, da. Heimweh!“
„Isch de Balle hintr de Linie gsi, odr?“
„Stalingrad!“
„Pass auf, wenns ä Tor gsi isch, gang i jetzt zur Mittellinie und
du gangsch mit. Wenn nüt, bleibesch da stande.“
„Du Gazprom, ich Tor.“
„Also ischs doch ä Tor gsi, odr?“
„Deutsch nix gut, Tor.“
„Gottfried Stutz, du machesch mich wahnsinnig. Zum allerletschde
Mal, wenns ä Tor gsi isch, na winkesch mit dr Fahn Richtung
Mittellinie, odr!“
„Gazprom. Schweiz gut.“ Dabei winkte Tofiq Richtung Mittellinie.
„Warum nüt glei so? Tor!“
Uwe Seeler hat das Tor bis heute nicht überwunden und ist seit damals nicht mehr in die Länge gewachsen.
Zu Hause angekommen, wurde Tofiq gefragt, wie er so sicher sein konnte, dass der Ball im Tor gewesen sei? Das sei für ihn klar gewesen, als der Torschütze jubelnd abgedreht habe.
Jahre später hat er auf die Frage nur noch einsilbig mit „Stalingrad“ geantwortet. Irgendwie kann ich ihn verstehen. Er ruhe in Frieden.
England hat nach dem Spiel mit Russland einen geheimen Vertrag geschlossen, der russischen Milliardären die Erlaubnis gibt, englische Fußballvereine aufzukaufen. Im Gegenzug hat sich England verpflichtet, täglich mindestens fünf Flugzeuge über die deutsche Einflugschneise in Zürich starten und landen zu lassen.
Das Verhältnis der Deutschen und der Schweizer hat sich auf der Ebene von Geldgebern und Geldanlegern eingependelt. Deutsche Ausländer, die in der Schweiz arbeiten wollen, werden wieder über die Grenze zurück gemobbt, wenn sie kein erpressbares Schwarzgeld vorweisen können.
Wir Süddeutschen mögen die chäsigen Schweizer nicht, weil sie an der Grenze sämtliches deutsches Ackerland aufkaufen, um die Einflugschneise für den Flugplatz in Zürich zu vergrößern. Außerdem kann man für ihre Autobahnen nur eine überteuerte Jahresvignette kaufen. Sie wissen natürlich genau, wer einmal bei ihnen anlässlich eines Besuchs kräftig abgezockt wurde, kommt nie wieder.
Da die Schweizer es aber trotz ausländischen Kapitals und „Sankt GOttmar“ bis heute nicht geschafft haben, einen internationalen Titel im Fußball zu gewinnen, rächen sie sich, indem sie CDs mit Schwarzgeldkonten der deutschen Regierung zuspielen.
Bei den anonymen Absendern soll es sich ausschließlich um Angehörige des ehemaligen Schiedsrichters handeln. Das geht aus einer vertraulichen Information der russischen Mafia hervor, die von Gazprom gesponsert wird. Erwähnt sei noch, dass der damalige Bundespräsident Lübke 1966 in der Öffentlichkeit behauptet hat, der Ball sei drin gewesen.
Nun wissen wir alle – inzwischen weiß es auch Jürgen Trittin –, dass Lübke nicht ganz gesund war. Aber welcher Politiker ist schon ganz gesund? Nach ihren politischen Entscheidungen zu urteilen, keiner. So jedenfalls die klare Aussage von Ottmar Grundel, unserem Totengräber. Er hat in der Volkshochschule einen Kurs über Psychologie belegt, weil er die Todessehnsucht der verheirateten Männer besser verstehen will.
Doch schon mein Großvater hat behauptet, dass man sich im Leben mindestens zweimal treffe. Geoff Hurst hat 2010, um Jahre gealtert, am Vortag des WM-Spiels Deutschland – England in einem Fernsehinterview behauptet, der Ball sei mindestens einen Meter hinter der Torlinie gewesen. Er sollte Recht behalten. In der 38. Minute schoss Frank Lampard den dralligen Ball an die runde Unterkante des deutschen Tores. Von dort sprang er einen Meter hinter der breiten Torlinie auf und in die Hände von Torhüter Neuer.
Mein Vater rief sofort: „Kein Tor!“ Er sollte dieses Mal Recht behalten. Der Schiedsrichter zögerte keine Sekunde und ließ das Spiel weiterlaufen. Deutschland gewann mit 4:1. Gottes Mühlen mahlen oft sehr langsam, aber sie mahlen sehr zuverlässig. Wer der Schiedsrichter war und wie der Linienrichter hieß, spielt keine Rolle. Sie waren nur Werkzeuge in einer göttlichen Inszenierung.
Übrigens göttlich! Maradona hat vor dem Spiel gegen uns plötzlich furchtbare Angst, dass die Hand Gottes dieses Mal sein Handtor auch ausgleichen wird. Ich weiß nicht, wie das Spiel am Samstag ausgehen wird. Aber ich weiß eines: Auf Gottes Mühlen ist Verlass! Maradona wird die Rechnung bekommen. Das sollten sich auch die holländischen Spucker hinter das Ohr schreiben. Rudi Völler stellt immer noch bei jeder Weltmeisterschaft eine Kerze dafür auf. Und die Weltmeere steigen stetig. Wer
spuckt, darf sich nicht wundern, wenn er von einer Monsterwelle überrollt wird. Morgen fliegt der Westerwelle nach Holland. Er könnte ein Vorbote sein.

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