Leseprobe 1: Frauen sind nicht logisch

Wenn ein in langer Ehe ergrauter, an Körpergröße schrumpfender
Mann ausnahmsweise eine neue Hose braucht, geht er in
die Hosenabteilung, in der ein älterer Mann bedient, zieht eine
in seiner Wunschgröße oben liegende Hose an, geht widerwillig
zur Kasse und bezahlt mit Schmerzen in der Magengegend. Dabei
tröstet ihn, dass diese letzte Hose ihn einmal im heimeligen Sarg
schmücken wird. Dann verlässt er auf dem kürzesten Weg das sitzunfreundliche
Kaufhaus, um sich von dem Unterdruck auf der alkoholfreien
Lunge zu befreien. Und Frauen?
„Erich, ich fahre in die Stadt.“
„Mit meinem Auto?“
„Es ist unser Auto. Schließlich habe ich die Farbe ausgesucht.“
„Musst du zum Arzt?“
„Was soll ich beim Arzt?“
„Was weiß ich! Ihr Frauen seid doch immer krank.“
„Ich bin nicht krank.“
„Und was ist mit deiner Hammerzehe?“
„Das war nur ein Hühnerauge. Das ist doch schon längst ausgeheilt.“
„Du hinkst aber immer noch.“
„Weil ich heute Nacht über deine Hausschuhe gestolpert bin,
die du überall herumliegen lässt.“
„Und darum gehst du zum Arzt?“
„Ich gehe nicht zum Arzt.“
„Nicht? Warum willst du dann in die Stadt?“
„Ich gehe mit Agnes shoppen.“
„Ist Agnes krank?“
„Männer! Wir gehen einkaufen!“
„Einkaufen? Was brauchst du denn?“
„Nichts Bestimmtes.“
„Ist das teuer?“
„Das weiß ich doch nicht. Wir schauen uns nur mal um.“
„Du brauchst nichts und gehst einkaufen?“
„Ja, vielleicht finde ich etwas Schönes“
„Du suchst doch nichts. Warum willst du dann etwas finden?“
„Erich, das verstehst du nicht.“
„Was gibt es da nicht zu verstehen? Du brauchst nichts, gehst
aber einkaufen, weil du vielleicht etwas Schönes findest, was du
nicht gesucht hast. Das ist doch nicht logisch.“
„Wenn ich etwas Schönes finde, brauche ich es auch.“
„Warum?“
„Weil es mich hübsch macht.“
„Du bist mir hübsch genug.“
„Ich weiß, wenn es nach dir ginge, könnte ich die Kleider
meiner Mutter auftragen.“
„Alte Sachen werden irgendwann wieder modern. Es kommt
alles wieder.“
„Erich, es ist zwecklos, mit dir darüber zu reden.“
„Klara, dein Schrank ist voll mit Klamotten.“
„Genau! Uraltes Zeug.“
„Ich habe gar nicht gewusst, dass Frauenkleider ein Verfallsdatum
von einem halben Jahr haben.“
„Lass dein blödes Gerede. Gestern habe ich vier Säcke für die
Altkleidersammlung hergerichtet.“
„Altkleidersammlung? Aber nichts von mir?“
„Doch, von dir sind auch ein paar Sachen dabei.“
„Aber nicht meine grüne Weste!“
„Nein, die habe ich schon vor vier Wochen weggegeben.“
„Spinnst du?! Die war noch wie neu!“
„Die hast du mit in die Ehe gebracht. Die Farbe war scheußlich!“
„Die Weste hat meine Mutter eigenhändig mit ihren abgearbeiteten
Fingern in vielen schlaflosen Stunden mit gichtigen
Schmerzen gestrickt.“
„So sah sie auch aus.“
„Was willst du damit sagen?“
„Dass man das Heulen bekommen konnte, wenn du damit herumgelaufen
bist. Agnes sagt, damit hättest du wie ein verlauster
Wanderprediger ausgesehen.“
„Agnes soll sich lieber um ihren verlausten Hund kümmern.
Der sieht aus wie eine tiefer gelegte, gefärbte Ratte und scheißt
uns immer ins Erdbeerbeet.“
„Ich bringe dir eine neue Weste mit.“
„Ich will keine neue Weste.“
„Dann eben nicht. Ich muss jetzt los.“
„Was hast du denn noch alles von mir weggeworfen?“
„Nur das, was weg musste.“
„Solange die Sachen noch gut sind, muss man sie nicht wegwerfen.“
„Erich, ich habe jetzt keine Lust, mit dir darüber zu diskutieren.“
„Ja, wenn ihr Frauen merkt, dass ihr im Unrecht seid, gehen
euch die Argumente aus.“
„Was hat shoppen mit Recht zu tun?“
„Viel! Es ist nicht rechtens, Geld auszugeben, wenn man das
Gekaufte nicht benötigt. Das erfordert allein schon der Respekt
vor dem, der das Geld im Schweiße seines Angesichts und mit
durstigem Magen erarbeitet hat.“
„Das Geld ist von meiner Mutter. Sie wollte mir eine Freude
machen.“
„Ich verbiete deiner Mutter, dir eine Freude zu machen!“
„Erich, mach dich nicht lächerlich.“
„Wenn du schon nichts brauchst, dann kaufe es von unserem
Geld.“
„Natürlich brauche ich noch Geld von uns. Die fünfhundert
Euro von Mutter reichen doch höchstens für die Schuhe und das
kleine Schwarze.“
„Ich denke, du brauchst nichts.“
„Wir müssen ja bestimmt mal wieder auf eine Party.“
„Auf welche Party?“
„Was weiß ich? Wird der Bürgermeister dieses Jahr nicht 50?“
„Was hat das mit uns zu tun?“
„Wir werden doch sicher eingeladen.“
„Natürlich. Aber wir können nicht hingehen.“
„Warum?“
„Weil du meine grüne Weste in die Altkleidersammlung gegeben
hast. Die hatte ich immer zum Grillen bei Sepp an.“
„Ja glaubst du denn, der Bürgermeister macht zu seinem Fünfzigsten
ein Grillfest? Erich, wo lebst du denn? Kunigunde hat mir
erzählt, sie lässt eine Cateringfirma aus Paris einfliegen.“
„Kunigunde soll das gesagt haben? Sepp hat gesagt, er feiert im
,Bären‘, basta!“
„Sepp weiß es noch nicht.“
„Was?“
„Das mit der Cateringfirma. Das ist eine Überraschung von
seiner Frau. Die Feier im „Bären“ findet eine Woche später für das
übrige Dorf statt. Die richtige Feier findet an seinem Geburtstag
im Schloss statt.“
„Im Schloss?“
„Ja, im Schloss. Das kann man für solche Zwecke mieten. Und
wir sind natürlich eingeladen.“
„Ich habe nichts anzuziehen.“
„Keine Angst, ich habe dir einen Smoking bestellt.“
„Was hast du?“
„Es ist Frackzwang.“
„Was für ein Zwang?“
„Erich, überlass das alles mir. Zum Friseur musst du aber auch
noch.“
„Ich war doch erst gestern.“
„Das Fest ist ja erst in sechs Wochen. Und dein Bart muss weg.
Der macht dich um zehn Jahre älter.“
„Mein Bart bleibt!“
„Erich, willst du uns ruinieren?“
„Was hat mein Bart damit zu tun?“
„Ich habe mit Agnes um einen Rolls-Royce gewettet, dass du
deinen Bart abmachst.“
„Bist du übergeschnappt?“
„Nein, nicht, was du jetzt schon wieder meinst.“
„Nicht? Ah, du nimmst Drogen. Diese Tabletten, die du in
deinem
Nachttisch versteckt hast.“
„Was hast du in meinem Nachttisch zu suchen?“
„Meine Socken in den Nationalfarben.“
„Deine Socken waren noch nie in meinem Nachttisch.“
„Ich habe sie dort auch nicht gefunden.“
„Die Tabletten brauche ich für meine Haut.“
„Haut? Sind die zum Einreiben?“
„Nein, die wirken von innen. Sie glätten die Haut und entfernen
Falten.“
„Da habe ich aber noch nichts davon bemerkt.“
„Ich nehme sie auch erst seit sechs Wochen.“
„Ab welcher Woche wirken sie denn?“
„Was weiß ich. Das kommt darauf an, wie tief die Falten sind
und wie sehr die Haut schon vom Ärger mit dem Ehemann beansprucht
worden ist.“
„Wenn man wüsste, ab welcher Woche sie wirken, könnte man
bis zu der Woche warten und dann die Tabletten nehmen.“
„Erich, mach mich nicht wahnsinnig. Ich muss los.“
„Und was ist mit dem Rolls-Royce?“
„Den kann man mieten. Damit fahren wir vor dem Schloss
vor, wenn du deinen Bart abnehmen lässt.“
„Ich lasse meinen Bart nicht abnehmen. Auch nicht für einen
Jaguar!“
„Dann fahren Agnes und ihr Mann mit dem Rolls-Royce vor,
und du musst es bezahlen.“
„Ich?!“
„Natürlich, so haben wir gewettet.“
„Was kostet das denn?“
„Mit Chauffeur 2.500 Euro. Er bringt uns auch wieder nach
Hause.“
„2.500 ...? Spinnst du?“
„Wieso? Du brauchst dir doch nur den Bart abzunehmen. Das
kleine Opfer wirst du doch für mich bringen können.“
„Das ist Erpressung.“
„Papperlapapp! Männer muss man zu ihrem Glück zwingen.“
„Mein Glück hängt nicht von einem Rolls-Royce ab.“
„Aber meines. Und wenn ich nicht glücklich bin, bist du es
auch nicht.“
„Wer sagt das?“
„Ich! Bis ich zurück bin, bist du rasiert! Und wage es ja nicht,
mich zu blamieren.“
„Zu welchem Arzt wolltest du noch mal?“
„Erich, ich gehe shoppen.“
„Entschuldige, jetzt erinnere ich mich. Du brauchst ja nichts.“
„Genau, Agnes und ich gehen nur ein wenig schauen.“
„Das kostet ja nichts.“
„Gut, dass du mich daran erinnerst. Ich muss die Scheckkarte
mitnehmen.“
„Die Scheckkarte?“
„Natürlich, vielleicht finde ich ja etwas.“
„Dann freue dich dran und lass es hängen.“
„Erich, ich muss los. Außerdem muss ich noch eine Fliege für
dich kaufen.“
„Fliege? Für was brauche ich eine Fliege?“
„Für deinen Smoking.“
„Ich habe keinen Smoking.“
„Herr, warum hast du den Männern nicht ein klein wenig mehr
Hirn gegeben? Die meisten Frauen hätten dir dafür von ihrem
Hintern gern etwas abgegeben.“
„Also, noch mal ganz langsam. Du gehst einkaufen, weißt aber
nicht, was du brauchst.“
„Ich weiß, was ich brauche.“
„Was denn?“
„Was Schönes.“
„Und wenn du nichts findest?“
„Wenn man nicht sucht, kann man nichts finden.“
„Ich denke, du suchst nichts.“
„Erich, nach der Feier im Schloss lasse ich mich scheiden.
Tschüss!“
Finden Sie darin eine Spur von Logik? Es gäbe viel weniger
Elend auf der verheirateten Welt, wenn wir alle noch nackt herumlaufen
würden. FKK ist das Ergebnis einer zwingenden Logik.
Da war uns die DDR weit voraus. Es war nicht alles schlecht dort.

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Herr Erich Koch
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